FINS
Konfiguration des FINS-Protokolls für ENLYZE.
Die folgende Anleitung führt dich durch die Anbindung von Datenquellen, die über das FINS-Protokoll kommunizieren. FINS (Factory Interface Network Service) ist das Omron-eigene Protokoll und wird von den klassischen SYSMAC-Familien bis hin zu den modernen Sysmac-Steuerungen verwendet. ENLYZE bindet diese Steuerungen über FINS over Ethernet (TCP, Standard-Port 9600) an.
Voraussetzung: Kenntnis der Speicherbereiche
FINS adressiert Daten über Speicherbereiche (z. B. D, CIO, W) und nicht über symbolische Tags. Um die richtigen Variablen aufzuzeichnen, benötigen wir daher die relevanten Speicheradressen der Steuerung. Dafür gibt es zwei Wege:
Der Maschinenhersteller oder Steuerungsprogrammierer teilt uns die relevanten Speicheradressen direkt mit.
Wir erhalten das Projektfile der Steuerung (CX-Programmer
.cxpbei Classic-, CS1-, CJ- und CP-Steuerungen, Sysmac Studio.smc2bei NJ und NX) und leiten die Speicherbereiche daraus ab.
Unterstützte Geräte
FINS wird von einem breiten Spektrum an Omron-Steuerungen unterstützt. Eine vollständige Übersicht der Familien und Geräte sowie die jeweils passende Target PLC-Einstellung findest du auf der Omron-Seite. Anbindbar sind alle FINS-fähigen Geräte, die über eine Ethernet-Schnittstelle verfügen, darunter:
Omron CV / CVM1 (Target PLC: Classic)
Omron CS1 (CS1G, CS1H, CS1D)
Omron CJ1 (CJ1G, CJ1H, CJ1M) und CJ2 (CJ2H, CJ2M)
Omron CP-Serie mit Ethernet (CP1L-EL / -EM, CP2E-N, CP1H mit Ethernet-Option)
Omron Sysmac NJ (über den Ethernet-Port per FINS angebunden)
Bis einschließlich der NJ-Serie haben wir Steuerungen erfolgreich über FINS angebunden. Die Familien NX und NY sind über FINS vermutlich ebenfalls anbindbar, wurden bislang aber noch nicht im Feld angebunden. Für alle Steuerungen ab der CS1 (1999), einschließlich NJ, NX und NY, gilt die Einstellung CS1 or newer.
Benötigte Informationen
Name
Vergebe einen ausdrucksstarken Namen für deine Datenquelle
Auswahl des Edge Devices, über den die Anbindung erfolgt
Als Aufkleber auf jedem Edge Device vermerkt. Folgt dem Schema adjektiv-wissenschaftler
Maschine
Jede Datenquelle ist genau einer Maschine zugeordnet
Hersteller
Omron
IP-Adresse
Die IPv4-Adresse der Steuerung. Sie muss von dem Edge Device aus erreichbar sein
Port
Standard: 9600 (FINS over Ethernet, TCP)
Target PLC
Generation der Omron-Steuerung, z. B. CS1 or newer. → So findest du den richtigen Target-PLC-Typ
Local address
FINS-Adresse des Edge Devices in der Form NETZWERK.KNOTEN.UNIT.
→ So findest du die Local address heraus
Remote address
FINS-Adresse der Steuerung in der Form NETZWERK.KNOTEN.UNIT.
→ So findest du die Remote address heraus
Konnektordetails verstehen
Bei der Anbindung über FINS werden zusätzlich zur IP-Adresse und zum Port drei FINS-spezifische Angaben benötigt: das Target PLC, die Local address und die Remote address.

Target PLC
Das Target PLC legt fest, welche Omron-Generation die Datenquelle verwendet. Die Auswahl bestimmt, wie der Konnektor die Speicherbereiche (z. B. D, CIO, W, H) der Steuerung adressiert, da sich das FINS-Speichermodell zwischen den Generationen unterscheidet. Es stehen zwei Optionen zur Verfügung:
Classic: Omron-Steuerungen, die vor der CS1 (1999) eingeführt wurden, vor allem die CV- / CVM1-Serie.
CS1 or newer (Standard): die CS1 und alle nachfolgenden Generationen, also CS1, CJ1, CJ2, die CP-Serie sowie die Sysmac-Familien NJ, NX und NY.
Welche Einstellung für dein Gerät zu wählen ist, entnimmst du der Geräteübersicht auf der Omron-Seite. Im Zweifel gilt: Alles ab der CS1 (1999) verwendet CS1 or newer.
Local und Remote address
FINS adressiert jedes Gerät über eine dreiteilige Adresse in der Form NETZWERK.KNOTEN.UNIT (z. B. 1.240.0). Die beiden Felder beschreiben die beiden Endpunkte der Kommunikation:
Local address: die FINS-Adresse, unter der sich das Edge Device im FINS-Netzwerk meldet. So „sieht" die Steuerung das Edge Device.
Remote address: die FINS-Adresse der Steuerung, mit der das Edge Device kommunizieren soll.
Die drei Bestandteile der Adresse bedeuten:
NETZWERK
Adresse des FINS-Netzwerks (0–127). In der Praxis hat sich der Wert 0 bewährt und passt für die allermeisten Aufbauten. In seltenen Fällen wird 1 benötigt, etwa wenn am Rack zusätzliche Baugruppen belegt sind.
KNOTEN
Knotenadresse des Geräts im Netzwerk (1–254). Bei FINS over Ethernet entspricht die Knotenadresse häufig dem letzten Oktett der IP-Adresse (z. B. IP 192.168.0.220 → Knoten 220). Das ist jedoch nicht zwingend und gilt nicht für alle Steuerungen.
UNIT
Unit-Adresse innerhalb des Geräts. Die CPU ist über 0 erreichbar. Kommunikationsbaugruppen besitzen abweichende Unit-Nummern.
Beispiel
Angenommen, die Steuerung hat die IP-Adresse 192.168.0.220:
Remote address (Steuerung): Die Knotenadresse entspricht dem letzten Oktett der IP, also
220. Mit Netzwerk0und Unit0(CPU) ergibt sich0.220.0.Local address (Edge Device): Die Schnittstelle des Edge Devices im Netz der Steuerung hat in diesem Beispiel die IP-Adresse
192.168.0.250. Daraus ergibt sich die Knotenadresse250und mit Netzwerk0und Unit0die Local address0.250.0. Entscheidend ist nur, dass die Knotenadresse im Netzwerk eindeutig ist.
Wo finde ich die Werte für die Remote address? Die Knoten- und Unit-Adresse der Steuerung sind in der Konfiguration der Ethernet-Baugruppe bzw. des integrierten Ethernet-Ports hinterlegt (z. B. in CX-Programmer oder Sysmac Studio, teilweise über Drehschalter an der Baugruppe). Häufig ist die Knotenadresse so eingestellt, dass sie dem letzten Oktett der IP-Adresse entspricht. Die Netzwerkadresse ist in Aufbauten ohne FINS-Routing in der Regel 0.
Die Local address des Edge Devices muss im FINS-Netzwerk eindeutig sein und darf nicht mit der Knotenadresse der Steuerung oder anderer Geräte kollidieren. Bei Steuerungen, die feste IP-zu-Knoten-Tabellen verwenden, muss der Knoten des Edge Devices dort hinterlegt sein, damit eine Kommunikation zustande kommt.
Datenquelle vernetzen
Falls noch nicht erfolgt, muss zunächst eine Netzwerkverbindung zwischen der Datenquelle und dem jeweiligen Edge Device hergestellt werden. Die möglichen Vernetzungsszenarien findest du hier.
FINS over Ethernet nutzt zwei Kanäle: Über TCP auf Port 9600 wird die Verbindung aufgebaut und gesteuert (Kontrollkanal). Den eigentlichen Datenstrom liefert die Steuerung anschließend über einen zweiten UDP-Port (Datenkanal). Beide Kanäle müssen zwischen Edge Device und Steuerung erreichbar sein. Achte daher bei Firewalls darauf, dass nicht nur der TCP-Port freigegeben ist.
Datenquelle anlegen
Rufe die ENLYZE Manufacturing Data Platform auf, wähle die Maschine aus, für welche diese Datenquelle hinzugefügt werden soll und klicke auf die Schaltfläche + Datenquelle
Hinterlege zunächst die Geräte-Details der Datenquelle.

Verbindungsdetails hinterlegen
Damit eine Verbindung zur Datenquelle hergestellt werden kann und die Datenaufzeichnung startet, müssen die Verbindungsdetails eingetragen werden.
Klicke dazu auf die Schaltfläche Verbindungsdetails hinzufügen und hinterlege IP-Adresse, Port, Target PLC, Local address und Remote address wie oben beschrieben. Speicher die Angaben anschließend ab.

Variablen hinzufügen
FINS adressiert Daten über Speicherbereiche (z. B. DM, CIO) und nicht über symbolische Tags. Variablen werden daher anhand ihrer FINS-Speicheradresse manuell angelegt. Halte die relevanten Adressen aus dem SPS-Programm bereit.
Es werden erst Daten aufgezeichnet, nachdem Variablen zur Aufzeichnung ausgewählt wurden. Folge hierfür unserem Variablen Onboarding Flow.
Weiterführend
Praxistipps & Hinweise: Hinweise zum Betrieb des FINS-Konnektors, z. B. wie du eine Steuerung mit unbekannter Adresse findest.
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