S7 Classic
Konfiguration des S7-Classic-Protokolls für ENLYZE.
Die folgende Anleitung führt dich durch die Anbindung von Datenquellen, die über das S7-Classic-Protokoll kommunizieren. S7 Classic (S7comm) ist das klassische Siemens-Protokoll der Generationen S7-300 und S7-400. ENLYZE bindet diese Steuerungen per Ethernet über RFC1006 (ISO-on-TCP, Standard-Port 102) an. In der ENLYZE Plattform heißt der Konnektor S7.
Unterstützte Geräte
Eine vollständige Übersicht der Siemens-Familien und den jeweils empfohlenen Konnektor findest du auf der Siemens-Seite. Über S7 Classic bindest du unter anderem an:
Siemens S7-300 (z. B. CPU 315-2 PN/DP, 317-2 PN/DP)
Siemens S7-400 (z. B. CPU 414, 416)
Yaskawa (VIPA) SPEED7-Steuerungen, die kompatibel zur S7-300 sind
Steuerungen ohne integrierte Ethernet-Schnittstelle (reine PROFIBUS- oder MPI-CPUs) bindest du über einen PROFIBUS/MPI-Adapter an. Der Adapter stellt die Verbindung zwischen der Steuerung und dem Edge Device her, die Konfiguration in der ENLYZE Plattform bleibt dieselbe.
Der Adapter kann direkt bei ENLYZE erworben werden. Wir haben früher Adapter der Firma IBH Softec verwendet. Hierbei kam es allerdings immer wieder zu Ausfällen und Problemen. Wir empfehlen daher den Adapter ACCON-NetLink-PRO compact von Softing (ehemals DELTALOGIC).
Bevor du startest
Halte Folgendes bereit:
die IP-Adresse der Steuerung bzw. des PROFIBUS/MPI-Adapters
eine Quelle für die Variablen: den STEP 7-Projektordner, die WinCC-Runtime-Datei (
.fwx,.fwc) des Bediengeräts oder eine Adressliste (siehe Variablen importieren)
Datenquelle vernetzen
Falls noch nicht erfolgt, muss zunächst eine Netzwerkverbindung zwischen der Datenquelle und dem jeweiligen Edge Device hergestellt werden. Die möglichen Vernetzungsszenarien findest du hier. Der Konnektor baut eine TCP-Verbindung auf Port 102 zur Steuerung auf.
Mit den Netzwerk-Tools prüfst du, ob die Steuerung vom Edge Device aus erreichbar ist.
Datenquelle anlegen
Rufe die ENLYZE Manufacturing Data Platform auf, wähle die Maschine aus, für welche diese Datenquelle hinzugefügt werden soll, und klicke auf die Schaltfläche + Datenquelle.
Vergib einen aussagekräftigen Namen und hinterlege unter Geräteinformationen den Hersteller (Siemens, bei VIPA-Steuerungen Yaskawa) und das CPU-Modell, z. B. CPU 315-2 PN/DP.

Verbindungsdetails hinterlegen
Wähle unter Verbindungsdetails das Edge Device aus. Seinen Namen findest du auf dem Aufkleber am Gerät (Schema adjektiv-wissenschaftler). Wähle als Konnektor den Eintrag S7 und trage die Konnektordetails ein:
IP-Adresse: die IPv4-Adresse der Steuerung bzw. des PROFIBUS/MPI-Adapters
Port:
102Rack und Slot: die Position der CPU in der Steuerung. Bei der S7-300 steckt die CPU fast immer in Rack
0, Slot2, den Standardwerten. Bei der S7-400 hängt der Slot davon ab, wie viele Steckplätze die Stromversorgung links neben der CPU belegt, häufig ist es Slot2oder3. Die Werte findest du in der Hardware-Konfiguration des STEP 7-Projekts (HW Konfig) an der Position der CPU.
Ein Passwort benötigt S7 Classic nicht.

Klicke auf Speichern und bestätige mit Speichern und verbinden. Das Edge Device baut die Verbindung zur Steuerung auf.
Variablen importieren
S7 Classic adressiert Daten über absolute Speicheradressen statt über symbolische Tags. Eine Variable Discovery wie bei S7+ oder OPC UA ist deshalb nicht möglich. Stattdessen importierst du die Variablen.
Öffne auf der Seite der Datenquelle den Tab Variablen und klicke auf Variablen importieren.

Wähle anschließend, woher die Variablen kommen. Der STEP 7-Projektordner liefert alle Variablen der Steuerung. Die WinCC-Runtime-Datei liefert nur die Werte, die auch die Bedienenden an der HMI sehen, direkt mit Anzeigename und Einheit. Beide Wege lassen sich kombinieren und beliebig oft wiederholen, zum Beispiel nach einer Änderung am SPS-Programm.

Du benötigst den vollständigen Projektordner aus dem SIMATIC Manager, also die .s7p-Datei mit allen Unterordnern. Ist das Projekt als Archiv (.zip) gespeichert, entpacke es vorher.
Wähle STEP 7-Projektordner.
Klicke auf Dateien durchsuchen und wähle den gesamten Projektordner aus, nicht nur die
.s7p-Datei. Der Ordner muss genau eine.s7p-Datei enthalten.
Hochladen des STEP 7-Projektordners Das Projekt wird in deinem Browser eingelesen. Enthält es mehrere Steuerungen, wähle unter Gerät die CPU aus, die zu dieser Datenquelle gehört.
Prüfe die Vorschau der Variablen. Variablen mit nicht unterstützten Datentypen werden aufgelistet und nicht importiert (siehe Unterstützte Datentypen).

Auswahl der CPU und Prüfen der Variablenvorschau Klicke auf Import starten und schließe den Dialog nach Abschluss mit Fertig.

Starten des Imports
Die Zusammenfassung zeigt, wie viele Variablen neu importiert, aktualisiert, unverändert übernommen oder nicht verarbeitet wurden.
Du benötigst die Runtime-Datei des Bediengeräts: .fwx (WinCC flexible 2005/2008) oder .fwc (WinCC Runtime im TIA Portal). Wo du sie findest, beschreibt Projektierungsdatei beschaffen.
Wie die Auswahl im Detail funktioniert, beschreibt Variablen-Mapping über HMI-Projektierung.
Wähle WinCC-Runtime-Datei (.fwx, .fwc). Der Flex Configuration Extractor öffnet sich in einem neuen Tab. Standort, Maschine und Datenquelle sind bereits vorausgewählt.
Lade die
.fwx- oder.fwc-Datei des Bediengeräts hoch, wähle die Anzeigeelemente aus und vergib Anzeigename und Einheit.Sende die Variablen mit Send variables to ENLYZE platform an die Plattform.
Du benötigst eine Liste mit Adressen und Datentypen, z. B. vom Maschinenhersteller.
Schicke die Liste an support@enlyze.com. ENLYZE registriert die Variablen für dich. Wie Adressen und Datentypen angegeben werden, zeigt Adressen und Datentypen.
Variablen zur Aufzeichnung auswählen
Der Import registriert die Variablen in der ENLYZE Plattform. Aus dem STEP 7-Projekt importierte Variablen werden jedoch noch nicht aufgezeichnet. Wähle die gewünschten Variablen in der Variablenauswahl aus und kontextualisiere sie. Über Zu allen verfügbaren Variablen im Tab Variablen gelangst du direkt dorthin.
Adressen und Datentypen
Beim Import werden Adresse und Datentyp jeder Variable automatisch übernommen. Die folgenden Angaben benötigst du nur, wenn Variablen über eine Adressliste (Weg C) oder die ENLYZE API registriert werden.
Adressschema
Der Konnektor verwendet die englischen Operandenkennzeichen (I / Q statt E / A) und trennt Datenbaustein und Byte-Adresse mit einem Doppelpunkt:
Datenbaustein
DB<Nummer>:<Byte>[.<Bit>]
DB400:12, DB327:6.1
Merker
M<Byte>[.<Bit>]
M6.1, MW2
Eingänge
I<Byte>[.<Bit>]
I0.5, IW4
Ausgänge
Q<Byte>[.<Bit>]
Q8.0
Die Größenkennung (B, W, D) ist optional, da der Datentyp separat angegeben wird. Die Siemens-Schreibweise DB1.DBW0 entspricht also DB1:0 mit dem Datentyp WORD. Peripherie (PE/PA), Zeiten und Zähler werden nicht unterstützt.
Unterstützte Datentypen
BOOL
Boolean
BYTE, CHAR, INT, WORD, DINT, DWORD
Integer
REAL
Float
STRING, STRING[n]
String
Nicht unterstützt werden unter anderem LREAL, TIME, DATE, S5TIME sowie Arrays. Strukturen (STRUCT) werden beim Import aus dem STEP 7-Projekt in ihre einzelnen Elemente aufgelöst.
Weiterführend
Praxistipps & Hinweise: Hinweise zum Betrieb des S7-Classic-Konnektors und das jeweils empfohlene Vorgehen.
Siemens: Übersicht aller Siemens-Familien und der empfohlenen Konnektoren.
Bei Fragen melde dich jederzeit gerne unter support@enlyze.com.
Zuletzt aktualisiert