Variablen & Zeitreihen
Was Variablen und Zeitreihen sind und wie ENLYZE Maschinendaten aufzeichnet.
Eine Variable ist ein einzelner Messwert, der sich über die Zeit verändert. Wird eine Variable aufgezeichnet, entsteht eine Zeitreihe: eine Abfolge von Werten mit Zeitstempeln, die den Verlauf des Messwerts dokumentiert.
Was ist eine Variable?
In jeder Steuerung gibt es Datenpunkte, die den aktuellen Zustand der Maschine widerspiegeln. Beispiele:
Temperaturen einzelner Heizzonen
Drücke an Ein- und Ausgang
Geschwindigkeiten und Drehzahlen
Zählerstände (Stückzähler, Meterzähler)
Statusmeldungen und Fehlercodes
In der Steuerung haben diese Datenpunkte oft technische Bezeichnungen wie DB1.DBD24 oder GDB.Static.rTemperatureZone1. Diese Bezeichnungen sind für die Steuerung sinnvoll, für Menschen aber schwer zu lesen.
Von der Variable zur Zeitreihe
Wenn du eine Variable zur Aufzeichnung auswählst, beginnt ENLYZE, ihren Wert regelmäßig abzufragen. Alle 10 Sekunden wird der aktuelle Wert von der Steuerung gelesen und zusammen mit einem Zeitstempel gespeichert. So entsteht Punkt für Punkt eine Zeitreihe.
10:00:00
245,3 °C
10:00:10
245,1 °C
10:00:20
245,4 °C
10:00:30
245,2 °C
Die aufgezeichneten Daten werden dauerhaft in der Cloud gespeichert und stehen sowohl in Nahechtzeit als auch historisch zur Verfügung.
Das Aufzeichnungsintervall von 10 Sekunden ist ein Kompromiss zwischen Datenvolumen und Detailgrad. Für die meisten Produktionsprozesse ist das ausreichend.
Wie die Aufzeichnung funktioniert
Das Edge Device fragt die Steuerung alle 10 Sekunden ab. Industrielle Steuerungen antworten dabei im Mikrosekundenbereich. Das Edge Device liest in jedem 10-Sekunden-Fenster alle konfigurierten Variablen aus. Die Antworten werden gesammelt und dem Startzeitstempel des Fensters zugeordnet.
Es findet keine Mittelwertbildung oder Aggregation statt. Jeder gespeicherte Wert ist ein direkter Messwert (Readout) aus der Steuerung. Wenn sich ein Wert zwischen zwei Abfragen ändert, zeigt die nächste Aufzeichnung den neuen Wert.
Mehrere Variablen, ein Gesamtbild
In der Praxis wird nicht nur eine Variable aufgezeichnet, sondern viele gleichzeitig. Typisch sind 10 bis 150 Variablen pro Maschine, abhängig vom Anwendungsfall.
Jede Variable wird zur eigenen Zeitreihe. Zusammen ergeben die Zeitreihen ein Bild des Maschinenzustands: Die Temperatur bleibt stabil, der Durchsatz steigt beim Anfahren, die Heizleistung sinkt, wenn die Maschine auf Betriebstemperatur ist. Muster und Zusammenhänge zwischen Variablen werden sichtbar.
Variablenstatus
Jede Variable in ENLYZE durchläuft drei Status:
Inaktiv
In der Datenquelle erkannt, aber nicht ausgelesen.
Exploration
Wird ausgelesen und aufgezeichnet, aber noch nicht für Plattform-Services freigegeben. Dient zur Bewertung.
Aktiv
Wird ausgelesen und steht allen Diensten zur Verfügung (Dashboards, Alarme, OEE, Exporte).
Kontextualisierung
Damit eine Variable für andere verständlich ist, wird sie bei der Aktivierung kontextualisiert:
Display-Name: Ein lesbarer Name (z. B. "Extruder Durchsatz Ist" statt
DB1.DBD24)Einheit: Die physikalische Einheit (z. B. kg/h, °C, m/min)
Skalierungsfaktor: Falls der Rohwert umgerechnet werden muss
ENLYZE speichert Variablen immer unskaliert (als Rohwert). Die Skalierung wird erst bei der Abfrage angewendet. Das bedeutet: Wenn ein Skalierungsfaktor falsch gewählt wurde, kannst du ihn jederzeit korrigieren, ohne dass die gespeicherten Daten davon betroffen sind. Die historischen Werte werden dann automatisch korrekt angezeigt.
Wie du Variablen auswählst und kontextualisierst, erfährst du unter Variable Mapping.
Was Variablen erzählen (und was nicht)
Zeitreihen zeigen Muster und Ereignisse: Anfahrphasen, stabilen Betrieb, Unterbrechungen, Geschwindigkeitswechsel. Die Daten zeigen dir das Wie der Produktion.
Was Zeitreihen allein nicht zeigen: Was produziert wurde, für wen und mit welchem Soll-Wert. Dafür braucht es den Produktionskontext.
Berechnete Variablen
Nicht alle relevanten Kennzahlen lassen sich direkt aus den Rohdaten ablesen. Manchmal muss ein Rohwert umgerechnet werden, manchmal braucht es eine Kombination mehrerer Variablen.
Einfache Umrechnungen
Bei der Kontextualisierung einer Variable kann ein Skalierungsfaktor hinterlegt werden. Damit lassen sich Rohwerte direkt umrechnen, z. B. von einer internen Einheit in °C oder kg/h. Das reicht für viele Anwendungsfälle.
Komplexere Berechnungen
Wenn einfache Skalierung nicht ausreicht, erstellt ENLYZE berechnete Variablen. Typische Beispiele:
Ratenberechnung: Aus einem laufenden Zählerstand die aktuelle Produktionsrate berechnen (z. B. Stück pro Minute)
Summen und Differenzen: Mehrere Variablen verrechnen (z. B. Gesamtdurchsatz aus Einzelkomponenten)
Ausreißer entfernen: Sensorfehlwerte (z. B. 9999) als ungültig markieren
Status-Mapping: Codes in lesbare Texte umwandeln (z. B. Code 3 = "Technische Störung")
Glättung: Ratenberechnung über ein Zeitfenster für stabilere Werte
Die Konfiguration erfolgt durch ENLYZE. Du definierst, welche Kennzahlen benötigt werden, und stellst die nötigen Informationen zu den Rohdaten bereit. ENLYZE setzt die Umsetzung um und validiert die Ergebnisse.
Berechnete Variablen hängen von den aufgezeichneten Rohdaten ab. Wenn für einen Zeitraum keine Daten vorliegen (z. B. weil das Edge Device offline war), können auch keine berechneten Werte erzeugt werden.
Weiterführende Themen
Produktionskontext: Wie Auftragsdaten den Maschinendaten Bedeutung geben.
Variable Mapping: Variablen auswählen und kontextualisieren (Anleitung).
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